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Lyrik
Lidija Dimkovska
Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann
Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann
Preisausschreiben
Auf die Preisfrage in der Macedonian Times:
„Was tun Sie, wenn Selbstmordgedanken Sie überkommen?“,
zu gewinnen ein siebentägiger Urlaub für zwei in Ohrid,
ein Wochenende für zwei in Disneyland in Paris
und weitere 50 Trostpreise,
bekamen wir genau 2479 Briefe und Postkarten,
und die beiden Hauptpreise
sprachen wir folgenden Antworten zu:
„Wenn mich Selbstmordgedanken überkommen,
stecke ich meinen Kopf in den Inhalator
und atme mit weit geöffnetem Mund tief ein,
bis meine Nase mit Echinacea verstopft ist
und die Sekrete ihre eigene Dialektik erleben,
danach trinke ich die erkaltete Mixtur bis auf den letzten Tropfen aus
und lebe mein Leben ohne Schleimhäute, aber mit schönen Gedanken weiter.“
(Kuzman Markovski, Dorf Budim, Kreis Prilep)
und
„Wenn mich Selbstmordgedanken überkommen,
ist für gewöhnlich die Katze eingesperrt und die Kartoffeln sprießen,
ein Gott mit den Maßen 90-60-90 treibt mich dazu, meine Hand in die Tasche zu stecken
in der Garage mit dem Notarztwagen,
während meine Frau aus der Küche aus voller Kehle ruft:
„Hörst du!!! Ich will ein runderneuerter Reifen sein,
ich will in der Autobörse beworben werden!“ Einen Augenblick wird mir schwarz vor Augen,
aber sofort darauf erscheint mir ein unendliches Licht.
Ich lasse die Katze raus, und aus den Kartoffeln binde ich einen Strauß,
aber meine Frau liegt schon seit drei Tagen auf dem Küchenboden
und rührt sich nicht,
nicht einmal dann, als ich ihr sage, daß ich sie nach Paris zur Alten Hexe mitnehmen werde“
(Kole Stojkovski, Pechčevo)
Wir, die anderen, die die Trostpreise gewonnen haben
(XXL T-Shirts mit der Aufschrift Das Leben ist schön
und Schlüsselanhänger mit Notrufnummern),
haben eine Gesellschaft für geschädigte Bürger gegründet
und den Herausgeber der Macedonian Times verprügelt.
Seither haben ihn keine mehr befallen,
weder Selbstmord-, noch Mordgedanken.
„Nie wieder Preisausschreiben!“, sagte er sich,
„bei denen sind nur Kreuzworträtsel eine sichere Sache“.
Nagelknipser
Seit ich versehentlich den Nagelknipser
meiner Familie ins Ausland mitgenommen habe,
wachsen ihre Nägel unkontrolliert und ungleichmäßig,
zügellos werden ihre Finger und Zehen länger
und stoßen durch die Schuhe und die Händedrücke mit Fremden,
sogar die entsetzten Nachbarn belauschen sie nicht mehr.
Ich rufe sie aus der Ferne an, und als das Geschrei eine Pause macht,
will ich sie besänftigen, indem ich ihnen beliebte neukomponierte Volkslieder vorsinge,
ich bitte sie um Vergebung mit den großen Gedanken kleiner Nationen,
was sind denn schon lange Nägel verglichen mit meinem Durst nach Wahrheit,
seht ihr denn nicht, daß ihr bereits unsterblich werdet,
fällt euch das denn so schwer?
Der Nagelknipser starrt mich mit offenem Maul vom Nachttischchen aus an,
auch er ist nicht mit dem Ortswechsel einverstanden,
das ist Wahnsinn, schreie ich, ich werde ihn euch mit der Post schicken,
aber dann kreischen alle auf, diesseits und jenseits der Leitung:
„Auf keinen Fall! Nagelknipser werden vom Zoll beschlagnahmt!“
Und als ich selbst die Grenze überschritt, versteckte ich ihn in meinem rechten Turnschuh.
Meine Familie drohte, sie würden sich die Nägel mit der Küchenschere schneiden,
wie dem auch sei, sie lasten auf meinem Gewissen wie eine Halskrause aus Gips,
die ganze Nacht träumte ich von ihnen, mit blutigen Fingern und ohne Besinnung,
am nächsten Morgen erwachte ich mit Hämorrhoiden,
und Ausweglosigkeit verstopfte meinen Geist.
Die Klaustrophobie ist stärker zwischen den Zacken eines Nagelknipsers
als unter Menschen, die Gott vergessen haben.
Der bunte Pfau auf dem Messerchen
murmelte mit menschlicher Stimme:
„Das Leben ist eine Auswahl an Nägeln, Haar und Haut,
ihre Pflege hingegen ist eine Auswahl an Göttlichkeit. Das ganze Leben lang kaust du Nägel,
aber aus Trotz hast du mich hierher gebracht. Bring mich zurück, egal wie,
du gottlose Nagellose, oder hol deine Familie her,
damit sie sich die Nägel wie Menschen schneiden“. Und sie kamen,
mich schauten sie nicht einmal an, sie machten es sich auf dem Bett bequem
und schnitten und konturierten sich die Nägel mit dem Nagelknipser,
warfen sie auf den Boden und lächelten den Pfau zufrieden an:
„Noch ein bißchen, und wir gehen nach Hause“.
Anerkennung 8
Wie schwarz deine Füße sind, A.,
ich kann Basilikum auf ihnen pflanzen,
sogar ein Rübe würde Wurzeln schlagen,
nur, wenn es geht, die Poren bitten mich darum,
ohne Zucker und Konservierungsstoffe. Gesundes Essen
für eine gesunde Familie, eine Bedingung ausbedungen im virtuellen Vertrag,
und niemand fragt uns, ob wir zu Hause Kakerlaken haben,
und wenn wir welche haben, ob es Intellektuelle sind, oder
ob auch sie wie das Stilleben im Garten
den Amateurmalern Modell stehen.
Farben, die sich hinter der Vorstellung von ihnen verstecken,
eine paranormale Konfuguration,
aber du, A., deine Füße sind so schwarz,
daß sogar die Kräuter aus dem Schulherbarium
angehängt an ihre website auferstehen würden.
Nichts wäscht die mittelalterlichen Statuen,
und auch nicht die Erinnerungen an die Nacht in der U-Bahn,
als der Zwerg unter das Kleid des Mannequins schlüpfte
und sie nur auf die Uhr sah,
ihre „Elle“ aus der Tasche hervorholte und zu lesen begann,
als sei sie sich des fremden Körpers zwischen ihren Idealmaßen nicht bewußt,
nun, damals, A., überschlug sich die Geschichte wie die Gondel
im Vergnügungspark, die Hüte fielen herunter,
die Bürgerkriege und die öffentlichen Entschuldigungen,
alle starrten auf deine Füße aus schwarzem Marmor
auf der weißen Karte der untergegangenen Königreiche,
ein Priester sagte: Bruder, laß mich deine Füße waschen,
aber ich kam noch rechtzeitig, um ihm das Mal zu zeigen,
das du seit deiner Geburt an der rechten Hüfte trägst:
Alle Rechte vorbehalten.
Auch dieses Jahr ist der Sommer die Saison, in der die Stechmücken
das Unterbewußte mit Malaria infizieren,
und es kann nicht schaden, wenn auch ich Basilikum pflanze
auf deinen schwarzen Füßen aus natürlichen Proteinen,
mit einem grünen Apfel als umweltfreundlich klassifiziert,
nur du bist irgendwie dagegen, du weißt nicht, wie es ist, ein mobiler Garten zu sein,
und ich sage dir, mein Lieber, sogar die Gräber sind mobil,
ganz zu schweigen von einem Garten mit Basilikumwurzeln,
die zuerst in meinem Leben Wurzeln schlugen, aber aus deinen Füßen
saugen sie nur die Stärke, die sich ihrer eigenen Stärke nicht bewußt ist:
Zuerst ist es ein Zwerg, dann ein Mannequin und zuletzt – die Geschichte selbst.
Anerkennung 9
Du hast sogar in den Welten Orientierungssinn,
in denen du noch nie gewesen bist, A.
Du weißt, welches persönliche Unglück ein künstlerisches Werk hervorbringt,
das um die Welt gehen wird wie der Verstand eines Idioten.
Aber welcher Idiot wird zurückkehren aus dem Niemandsland, und welcher nicht.
Deshalb verweilst du im Geschäft für Devotionalien und kirchliche Bücher
mit einer offenen Bibel in der Hand,
um zu lauschen, wie eine Sängerin im Radio einen Orgasmus vortäuscht.
Austausch von Ideen, nicht wahr? Bevor sie fertig wird, gelingt es
dem Mönch, die Kassette mit den Gesängen der Athosmönche zu finden,
aber die Käufer sind schon auf dem Weg nach draußen. Encore une fois.
Ich muß dir sagen, daß in den osteuropäischen Ländern
die schönsten Männer die Mormonen sind: Ihr Seitenscheitel
strahlt vor erster Verliebtheit, etwas in ihrem Gang
erinnert an glamouröse Modenschauen. Hast du mir diesen Witz
erzählt: „Weißt du, in wessen Kreationen sich Lady Di
jetzt kleidet? Ich weiß es nicht. Na, in denen von Versace“.
Die Mormonen haben Muskeln aus Meeresschaum.
Sie schweben über dem Obskurantismus in Wellen wie echte Balkanophile dahin.
Und wie die einzigen. Ich versuche, dir zu sagen,
daß man die pensionierte Lehrerin dabei erwischt hat, wie sie im Viertel
Drogen verkaufte, und zusammen mit all ihren früheren Schülern
rutschte das Straßenpflaster über Nacht in den Fluß,
aber du hörst mir nicht zu.Warum wiederholst du die ganze Nacht im Schlaf
„Falmbée ... flambée ... flambée ...?“ Sollen wir zu einer flambée gehen?
Das Kind ... das Kind aus dem Haus, das Feuer fing, verbrannte in meinen Händen,
ich rannte sogar zum Krankenhaus, aber als ich ankam, war es schon zu spät.
Der Arzt sagte: Uff, es ist flambiert. Jetzt weiß ich
wie man Bulimie bekommt. Und nur aus Angst,
daß ich nicht die Gläser zerbreche, die du mir zum Geburtstag gekauft hast,
schüttete ich mir das Gift in einen Plastikbecher
(mein Großvater bewahrte in genau so einem sein Rasiermesser und den Pinsel auf),
aber mir stieg der Geruch von sich zersetzendem Bart in die Nase, und ich warf ihn ins Meer.
Er wird sich unter Mühen einige tausend Jahre lang zersetzen,
und ich werde vergeblich in Altpapier eingewickelte Babies kotzen.
Beschmutze es nicht mit Buchstaben, A. Buchstaben sind aus der Mode.
Verwandle es besser in einen FKK-Strand.
Eine Soziolinguistik für Narren, die dem Schweigen geweiht sind.
Post-Anerkennung
Es ist soweit, der Tag ist gekommen, um meine Eingeweide auf Lockenwickler aufzuziehen
und mich auf das große Geständnis vorzubereiten,
daß die Kunst nicht mehr ist, und sie sollte doch vor allem eine Massage sein,
sie sollte nach der zärtlichen Berührung des Sagenhelden Krali Marko riechen
und durch das Leben gleiten wie ein ätherisches Öl von Lavendel.
Was anderes soll ich jetzt tun, da ich im Widerschein der Büchervitrine
meine Muskeln messen, meine Kraft anspannen,
meine Seele mit einer Straffungscreme abhärten,
aber nicht in dem Gedicht untertauchen kann wie in einer Badewanne,
wenn sie zersprungen, verrostet und ohne reichlich Schaum ist?
Solche Zeiten sind angebrochen, daß der Witwer den Trauertag in schwarzen
Liebestötern zwischen weißen Laken verbringt
und sich eine Sendung über die ausgestorbenen Dinosaurier ansieht,
und könnte ich die Ära der Glockenhosen, die durch die Korridore der Musik flattern,
doch nur eine kulturelle Errungenschaft nennen.
Meine Brüder sind Retroflüchtlinge im neuen Exil des Asylantenheims,
ich bin ein Zwerg zwischen den Mannequins, mein Hauskleid ist ein Müllsack.
Ich wende mich mit „Mein Gott“ an den Heizstrahler,
ich frage ihn, wie ich durch das Schneegestöber weitergehen soll mit verhärtetem Leib,
mit einem Plastikkiefer, mit geronnenem Blut. Rotglühend und leidenschaftlich
leckt er mich hinter dem Ohr, dort, wo der Kern der Kunst versteckt ist:
„Finde einen irdenen Wasserkrug und einen Ehevermittler für eine männliche Muse“.
Selbst wenn er sich in einem Mikrochip offenbart, bleibt Gott altmodisch,
und die Kunst eine Fliege ohne Kopf. Alle sind wir einander Musen,
und wir haben Lockenwickler, aber keine Eingeweide. Mein Fleisch ist hart, A.,
aber mein Leib ist leicht wie eine Seite aus der Bibel.
Deine Haut ist nachts für mich ein Siebener in der Makedonischen Lotterie,
der amerikanische Traum eines jeden Dudelsacks auf dem Balkan.
Ich werde mir daraus Handschuhe machen, die mich tagsüber liebkosen sollen
in den Stiftungen für zeitgenössische künstlerische Visionen,
und ich werde gestehen, daß die Kunst nicht ist, aber es sein sollte,
ein Genuß, ein Elixier, Kommunion, Massage, Homöopathie.
Auf die Preisfrage in der Macedonian Times:
„Was tun Sie, wenn Selbstmordgedanken Sie überkommen?“,
zu gewinnen ein siebentägiger Urlaub für zwei in Ohrid,
ein Wochenende für zwei in Disneyland in Paris
und weitere 50 Trostpreise,
bekamen wir genau 2479 Briefe und Postkarten,
und die beiden Hauptpreise
sprachen wir folgenden Antworten zu:
„Wenn mich Selbstmordgedanken überkommen,
stecke ich meinen Kopf in den Inhalator
und atme mit weit geöffnetem Mund tief ein,
bis meine Nase mit Echinacea verstopft ist
und die Sekrete ihre eigene Dialektik erleben,
danach trinke ich die erkaltete Mixtur bis auf den letzten Tropfen aus
und lebe mein Leben ohne Schleimhäute, aber mit schönen Gedanken weiter.“
(Kuzman Markovski, Dorf Budim, Kreis Prilep)
und
„Wenn mich Selbstmordgedanken überkommen,
ist für gewöhnlich die Katze eingesperrt und die Kartoffeln sprießen,
ein Gott mit den Maßen 90-60-90 treibt mich dazu, meine Hand in die Tasche zu stecken
in der Garage mit dem Notarztwagen,
während meine Frau aus der Küche aus voller Kehle ruft:
„Hörst du!!! Ich will ein runderneuerter Reifen sein,
ich will in der Autobörse beworben werden!“ Einen Augenblick wird mir schwarz vor Augen,
aber sofort darauf erscheint mir ein unendliches Licht.
Ich lasse die Katze raus, und aus den Kartoffeln binde ich einen Strauß,
aber meine Frau liegt schon seit drei Tagen auf dem Küchenboden
und rührt sich nicht,
nicht einmal dann, als ich ihr sage, daß ich sie nach Paris zur Alten Hexe mitnehmen werde“
(Kole Stojkovski, Pechčevo)
Wir, die anderen, die die Trostpreise gewonnen haben
(XXL T-Shirts mit der Aufschrift Das Leben ist schön
und Schlüsselanhänger mit Notrufnummern),
haben eine Gesellschaft für geschädigte Bürger gegründet
und den Herausgeber der Macedonian Times verprügelt.
Seither haben ihn keine mehr befallen,
weder Selbstmord-, noch Mordgedanken.
„Nie wieder Preisausschreiben!“, sagte er sich,
„bei denen sind nur Kreuzworträtsel eine sichere Sache“.
Nagelknipser
Seit ich versehentlich den Nagelknipser
meiner Familie ins Ausland mitgenommen habe,
wachsen ihre Nägel unkontrolliert und ungleichmäßig,
zügellos werden ihre Finger und Zehen länger
und stoßen durch die Schuhe und die Händedrücke mit Fremden,
sogar die entsetzten Nachbarn belauschen sie nicht mehr.
Ich rufe sie aus der Ferne an, und als das Geschrei eine Pause macht,
will ich sie besänftigen, indem ich ihnen beliebte neukomponierte Volkslieder vorsinge,
ich bitte sie um Vergebung mit den großen Gedanken kleiner Nationen,
was sind denn schon lange Nägel verglichen mit meinem Durst nach Wahrheit,
seht ihr denn nicht, daß ihr bereits unsterblich werdet,
fällt euch das denn so schwer?
Der Nagelknipser starrt mich mit offenem Maul vom Nachttischchen aus an,
auch er ist nicht mit dem Ortswechsel einverstanden,
das ist Wahnsinn, schreie ich, ich werde ihn euch mit der Post schicken,
aber dann kreischen alle auf, diesseits und jenseits der Leitung:
„Auf keinen Fall! Nagelknipser werden vom Zoll beschlagnahmt!“
Und als ich selbst die Grenze überschritt, versteckte ich ihn in meinem rechten Turnschuh.
Meine Familie drohte, sie würden sich die Nägel mit der Küchenschere schneiden,
wie dem auch sei, sie lasten auf meinem Gewissen wie eine Halskrause aus Gips,
die ganze Nacht träumte ich von ihnen, mit blutigen Fingern und ohne Besinnung,
am nächsten Morgen erwachte ich mit Hämorrhoiden,
und Ausweglosigkeit verstopfte meinen Geist.
Die Klaustrophobie ist stärker zwischen den Zacken eines Nagelknipsers
als unter Menschen, die Gott vergessen haben.
Der bunte Pfau auf dem Messerchen
murmelte mit menschlicher Stimme:
„Das Leben ist eine Auswahl an Nägeln, Haar und Haut,
ihre Pflege hingegen ist eine Auswahl an Göttlichkeit. Das ganze Leben lang kaust du Nägel,
aber aus Trotz hast du mich hierher gebracht. Bring mich zurück, egal wie,
du gottlose Nagellose, oder hol deine Familie her,
damit sie sich die Nägel wie Menschen schneiden“. Und sie kamen,
mich schauten sie nicht einmal an, sie machten es sich auf dem Bett bequem
und schnitten und konturierten sich die Nägel mit dem Nagelknipser,
warfen sie auf den Boden und lächelten den Pfau zufrieden an:
„Noch ein bißchen, und wir gehen nach Hause“.
Anerkennung 8
Wie schwarz deine Füße sind, A.,
ich kann Basilikum auf ihnen pflanzen,
sogar ein Rübe würde Wurzeln schlagen,
nur, wenn es geht, die Poren bitten mich darum,
ohne Zucker und Konservierungsstoffe. Gesundes Essen
für eine gesunde Familie, eine Bedingung ausbedungen im virtuellen Vertrag,
und niemand fragt uns, ob wir zu Hause Kakerlaken haben,
und wenn wir welche haben, ob es Intellektuelle sind, oder
ob auch sie wie das Stilleben im Garten
den Amateurmalern Modell stehen.
Farben, die sich hinter der Vorstellung von ihnen verstecken,
eine paranormale Konfuguration,
aber du, A., deine Füße sind so schwarz,
daß sogar die Kräuter aus dem Schulherbarium
angehängt an ihre website auferstehen würden.
Nichts wäscht die mittelalterlichen Statuen,
und auch nicht die Erinnerungen an die Nacht in der U-Bahn,
als der Zwerg unter das Kleid des Mannequins schlüpfte
und sie nur auf die Uhr sah,
ihre „Elle“ aus der Tasche hervorholte und zu lesen begann,
als sei sie sich des fremden Körpers zwischen ihren Idealmaßen nicht bewußt,
nun, damals, A., überschlug sich die Geschichte wie die Gondel
im Vergnügungspark, die Hüte fielen herunter,
die Bürgerkriege und die öffentlichen Entschuldigungen,
alle starrten auf deine Füße aus schwarzem Marmor
auf der weißen Karte der untergegangenen Königreiche,
ein Priester sagte: Bruder, laß mich deine Füße waschen,
aber ich kam noch rechtzeitig, um ihm das Mal zu zeigen,
das du seit deiner Geburt an der rechten Hüfte trägst:
Alle Rechte vorbehalten.
Auch dieses Jahr ist der Sommer die Saison, in der die Stechmücken
das Unterbewußte mit Malaria infizieren,
und es kann nicht schaden, wenn auch ich Basilikum pflanze
auf deinen schwarzen Füßen aus natürlichen Proteinen,
mit einem grünen Apfel als umweltfreundlich klassifiziert,
nur du bist irgendwie dagegen, du weißt nicht, wie es ist, ein mobiler Garten zu sein,
und ich sage dir, mein Lieber, sogar die Gräber sind mobil,
ganz zu schweigen von einem Garten mit Basilikumwurzeln,
die zuerst in meinem Leben Wurzeln schlugen, aber aus deinen Füßen
saugen sie nur die Stärke, die sich ihrer eigenen Stärke nicht bewußt ist:
Zuerst ist es ein Zwerg, dann ein Mannequin und zuletzt – die Geschichte selbst.
Anerkennung 9
Du hast sogar in den Welten Orientierungssinn,
in denen du noch nie gewesen bist, A.
Du weißt, welches persönliche Unglück ein künstlerisches Werk hervorbringt,
das um die Welt gehen wird wie der Verstand eines Idioten.
Aber welcher Idiot wird zurückkehren aus dem Niemandsland, und welcher nicht.
Deshalb verweilst du im Geschäft für Devotionalien und kirchliche Bücher
mit einer offenen Bibel in der Hand,
um zu lauschen, wie eine Sängerin im Radio einen Orgasmus vortäuscht.
Austausch von Ideen, nicht wahr? Bevor sie fertig wird, gelingt es
dem Mönch, die Kassette mit den Gesängen der Athosmönche zu finden,
aber die Käufer sind schon auf dem Weg nach draußen. Encore une fois.
Ich muß dir sagen, daß in den osteuropäischen Ländern
die schönsten Männer die Mormonen sind: Ihr Seitenscheitel
strahlt vor erster Verliebtheit, etwas in ihrem Gang
erinnert an glamouröse Modenschauen. Hast du mir diesen Witz
erzählt: „Weißt du, in wessen Kreationen sich Lady Di
jetzt kleidet? Ich weiß es nicht. Na, in denen von Versace“.
Die Mormonen haben Muskeln aus Meeresschaum.
Sie schweben über dem Obskurantismus in Wellen wie echte Balkanophile dahin.
Und wie die einzigen. Ich versuche, dir zu sagen,
daß man die pensionierte Lehrerin dabei erwischt hat, wie sie im Viertel
Drogen verkaufte, und zusammen mit all ihren früheren Schülern
rutschte das Straßenpflaster über Nacht in den Fluß,
aber du hörst mir nicht zu.Warum wiederholst du die ganze Nacht im Schlaf
„Falmbée ... flambée ... flambée ...?“ Sollen wir zu einer flambée gehen?
Das Kind ... das Kind aus dem Haus, das Feuer fing, verbrannte in meinen Händen,
ich rannte sogar zum Krankenhaus, aber als ich ankam, war es schon zu spät.
Der Arzt sagte: Uff, es ist flambiert. Jetzt weiß ich
wie man Bulimie bekommt. Und nur aus Angst,
daß ich nicht die Gläser zerbreche, die du mir zum Geburtstag gekauft hast,
schüttete ich mir das Gift in einen Plastikbecher
(mein Großvater bewahrte in genau so einem sein Rasiermesser und den Pinsel auf),
aber mir stieg der Geruch von sich zersetzendem Bart in die Nase, und ich warf ihn ins Meer.
Er wird sich unter Mühen einige tausend Jahre lang zersetzen,
und ich werde vergeblich in Altpapier eingewickelte Babies kotzen.
Beschmutze es nicht mit Buchstaben, A. Buchstaben sind aus der Mode.
Verwandle es besser in einen FKK-Strand.
Eine Soziolinguistik für Narren, die dem Schweigen geweiht sind.
Post-Anerkennung
Es ist soweit, der Tag ist gekommen, um meine Eingeweide auf Lockenwickler aufzuziehen
und mich auf das große Geständnis vorzubereiten,
daß die Kunst nicht mehr ist, und sie sollte doch vor allem eine Massage sein,
sie sollte nach der zärtlichen Berührung des Sagenhelden Krali Marko riechen
und durch das Leben gleiten wie ein ätherisches Öl von Lavendel.
Was anderes soll ich jetzt tun, da ich im Widerschein der Büchervitrine
meine Muskeln messen, meine Kraft anspannen,
meine Seele mit einer Straffungscreme abhärten,
aber nicht in dem Gedicht untertauchen kann wie in einer Badewanne,
wenn sie zersprungen, verrostet und ohne reichlich Schaum ist?
Solche Zeiten sind angebrochen, daß der Witwer den Trauertag in schwarzen
Liebestötern zwischen weißen Laken verbringt
und sich eine Sendung über die ausgestorbenen Dinosaurier ansieht,
und könnte ich die Ära der Glockenhosen, die durch die Korridore der Musik flattern,
doch nur eine kulturelle Errungenschaft nennen.
Meine Brüder sind Retroflüchtlinge im neuen Exil des Asylantenheims,
ich bin ein Zwerg zwischen den Mannequins, mein Hauskleid ist ein Müllsack.
Ich wende mich mit „Mein Gott“ an den Heizstrahler,
ich frage ihn, wie ich durch das Schneegestöber weitergehen soll mit verhärtetem Leib,
mit einem Plastikkiefer, mit geronnenem Blut. Rotglühend und leidenschaftlich
leckt er mich hinter dem Ohr, dort, wo der Kern der Kunst versteckt ist:
„Finde einen irdenen Wasserkrug und einen Ehevermittler für eine männliche Muse“.
Selbst wenn er sich in einem Mikrochip offenbart, bleibt Gott altmodisch,
und die Kunst eine Fliege ohne Kopf. Alle sind wir einander Musen,
und wir haben Lockenwickler, aber keine Eingeweide. Mein Fleisch ist hart, A.,
aber mein Leib ist leicht wie eine Seite aus der Bibel.
Deine Haut ist nachts für mich ein Siebener in der Makedonischen Lotterie,
der amerikanische Traum eines jeden Dudelsacks auf dem Balkan.
Ich werde mir daraus Handschuhe machen, die mich tagsüber liebkosen sollen
in den Stiftungen für zeitgenössische künstlerische Visionen,
und ich werde gestehen, daß die Kunst nicht ist, aber es sein sollte,
ein Genuß, ein Elixier, Kommunion, Massage, Homöopathie.
